SchuTSEV Verordnung zum Schutz von öffentlichen Telekommunikationsnetzen und Sende- und Empfangsfunkanlagen, die in definierten Frequenzbereichen zu Sicherheitszwecken betrieben werden *) DE

Current to 2021-06-23 · last amended 2021-06-23

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Die Verpflichtungen aus der Richtlinie 98/34/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 22. Juni 1998 über ein Informationsverfahren auf dem Gebiet der Normen und technischen Vorschriften und der Vorschriften für die Dienste der Informationsgesellschaft (ABl. EG Nr. L 204 S. 37), zuletzt geändert durch die Richtlinie 2006/96/EG des Rates vom 20. November 2006 (ABl. EU Nr. L 363 S. 81), sind beachtet worden.

Eingangsformel

Auf Grund des § 6 Abs. 3 des Gesetzes über die elektromagnetische Verträglichkeit von Betriebsmitteln vom 26. Februar 2008 (BGBl. I S. 220) verordnet die Bundesregierung:

§ 1 — Anwendungsbereich

Diese Verordnung regelt die Durchführung besonderer Maßnahmen der Bundesnetzagentur für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen (Bundesnetzagentur) zum Schutz von

1. Sende- und Empfangsfunkanlagen, die in definierten Frequenzbereichen zu Sicherheitszwecken betrieben werden, und

2. öffentlichen Telekommunikationsnetzen

vor elektromagnetischen Störungen.

§ 2 — Begriffsbestimmungen

Im Sinne dieser Verordnung

1. ist „Betreiber“ diejenige natürliche oder juristische Person, die die rechtliche und tatsächliche Kontrolle über eine Telekommunikationsanlage oder ein Telekommunikationsnetz hat;

2. ist „öffentliches Telekommunikationsnetz“ ein Telekommunikationsnetz im Sinne von § 3 Nummer 65 des Telekommunikationsgesetzes, das zur Bereitstellung von öffentlich zugänglichen Telekommunikationsdiensten im Sinne von § 3 Nummer 61 des Telekommunikationsgesetzes genutzt wird;

3. sind „Störaussendungen“ von einem leitungsgeführten elektrischen Nutzsignal verursachte elektromagnetische Energieanteile, die den Leiter durch Induktion, Influenz oder Strahlungskopplung unerwünscht verlassen und den Funkverkehr störend beeinträchtigen können.

§ 3 — Schutz von zu Sicherheitszwecken betriebenen Sende- und Empfangsfunkanlagen

(1) Störaussendungen aus leitergebundenen Telekommunikationsanlagen und -netzen dürfen in den zu schützenden Frequenzbereichen nach Anlage 1 die Grenzwerte der Störfeldstärke nach Anlage 2 nicht überschreiten. Die Störfeldstärken werden nach der Messvorschrift nach Anlage 3 ermittelt.

(2) Die Bundesnetzagentur kann

1. die Einhaltung der Anforderungen nach Absatz 1 überprüfen;

2. zum Zwecke der Überprüfung besondere Maßnahmen gegenüber dem Betreiber einer Telekommunikationsanlage oder eines Telekommunikationsnetzes anordnen und insbesondere verlangen, dass der Betreiber Testsignale einspeist;

3. den Betreiber auffordern, in einer angemessenen Frist dafür zu sorgen, dass seine leitergebundene Telekommunikationsanlage oder sein leitergebundenes Telekommunikationsnetz die Anforderungen nach Absatz 1 einhält;

4. besondere Maßnahmen mit räumlichen, zeitlichen und sachlichen Festlegungen für das Betreiben der leitergebundenen Telekommunikationsanlage oder des leitergebundenen Telekommunikationsnetzes anordnen;

5. den Betrieb der leitergebundenen Telekommunikationsanlage oder des leitergebundenen Telekommunikationsnetzes ganz oder teilweise untersagen.

(3) Unbeschadet der Anforderungen nach Absatz 1 kann die Bundesnetzagentur im Falle von Sende- und Empfangsfunkanlagen, für die aus Gründen der öffentlichen Sicherheit ein besonderer Schutz notwendig ist, im Benehmen mit den für die jeweiligen Sende- und Empfangsfunkanlagen zuständigen Bundesbehörden messtechnische Untersuchungen durchführen.

§ 4 — Schutz öffentlicher Telekommunikationsnetze

Im Falle von elektromagnetischen Störungen öffentlicher Telekommunikationsnetze durch leitergebundene Telekommunikationsanlagen und -netze kann die Bundesnetzagentur für die störenden Anlagen und Netze die Einhaltung der Grenzwerte für die Störfeldstärke nach Anlage 2 anordnen. § 3 Abs. 1 Satz 2 gilt entsprechend.

§ 5 — Schutz von Flugfunk-Frequenzen

(1) Leitergebundene Übertragungen analoger Signale (Rundfunksignale) sind in den Frequenzbereichen

1. von 112 Megahertz bis 125 Megahertz spätestens zum 31. März 2009 und

2. von 125 Megahertz bis 137 Megahertz spätestens zum 31. Dezember 2010

einzustellen.

(2) Eine Übertragung digitaler Signale ist in diesen Frequenzbereichen zulässig, wenn die entsprechenden leitergebundenen Übertragungsnetze bis zum Endgerät des Nutzers die Grenzwerte für Störfeldstärke nach Anlage 2 einhalten. Der Betreiber ist verpflichtet, die Überprüfung des leitergebundenen Übertragungsnetzes nachzuweisen, zu dokumentieren und entsprechende Unterlagen auf Verlangen der Bundesnetzagentur vorzulegen.

(3) Die Bundesnetzagentur kann die Einhaltung der Verpflichtungen nach den Absätzen 1 und 2 überprüfen und im Wege des Verwaltungszwangs durchsetzen.

(4) Stellt die Bundesnetzagentur durch Messungen fest, dass die leitungsgebundenen Übertragungsnetze die Voraussetzungen des Absatzes 2 einhalten, kann sie im Einvernehmen mit dem Bundesamt für Informationsmanagement und Informationstechnik der Bundeswehr die Grenzwertverschärfung nach Anlage 2 Nr. 7 aufheben.

§ 6 — Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am Tag nach der Verkündung in Kraft.

Anlage 1 — (zu § 3 Abs. 1)

(Fundstelle: BGBl. I 2009, 1062)

Frequenzbereich in MHz | Zu schützende Anwendung

2,850 | – | 3,155 | Flugfunk

3,400 | – | 3,500 | Flugfunk

3,800 | – | 3,950 | Flugfunk

4,650 | – | 4,850 | Flugfunk

5,450 | – | 5,730 | Flugfunk

6,525 | – | 6,765 | Flugfunk

8,815 | – | 9,040 | Flugfunk

10,005 | – | 10,100 | Flugfunk

11,175 | – | 11,400 | Flugfunk

13,200 | – | 13,360 | Flugfunk

15,010 | – | 15,100 | Flugfunk

17,900 | – | 18,030 | Flugfunk

21,924 | – | 22,000 | Flugfunk

23,200 | – | 23,350 | Flugfunk

30,350 | – | 30,750 | MIL

34,350 | – | 35,810 | BOS

38,450 | – | 39,850 | BOS

43,300 | – | 45,250 | MIL

46,000 | – | 47,000 | MIL

74,205 | – | 77,485 | BOS, Flugnavigationsfunk

84,005 | – | 87,265 | BOS

108,000 | – | 137,000 | Flugfunk, Flugnavigationsfunk

138,000 | – | 144,000 | Flugfunk

165,200 | – | 165,700 | BOS

167,550 | – | 169,390 | BOS

169,800 | – | 170,300 | BOS

172,150 | – | 173,990 | BOS

240,250 | – | 270,25 | Flugfunk

275,250 | – | 285,25 | Flugfunk

290,250 | – | 301,25 | Flugfunk

306,250 | – | 318,25 | Flugfunk

328,250 | – | 345,25 | Flugnavigationsfunk, Flugfunk

355,250 | – | 399,90 | BOS, Flugfunk

443,59375 | – | 444,96875 | BOS

448,59375 | – | 449,96875 | BOS

Anlage 2 — (zu § 3 Abs. 1)

(Fundstelle: BGBl. I 2009, 1063)

Frequenz im Bereich | Grenzwert der Störfeldstärke (Spitzenwert der elektrischen Feldstärke in 3 m Abstand in dB[µV/m]) | Messbandbreite

1. | 9 bis | 150 kHz | 40 – 20 x log10 (f/MHz) | 200 Hz

2. | >150 bis | 1 000 kHz | 40 – 20 x log10 (f/MHz) | 9 kHz

3. | > 1 bis | 30 MHz | 40 – 8,8 x log10 (f/MHz) | 9 kHz

4. | > 30 bis | 108 MHz | 27 | 120 kHz

5. | >108 bis | 144 MHz | 18 (27)1) | 120 kHz

6. | >144 bis | 230 MHz | 271) | 120 kHz

7. | >230 bis | 400 MHz | 182) (27)1) | 120 kHz

8. | >400 bis | 1 000 MHz | 271) | 120 kHz

9. | > 1 bis | 3 GHz | 40 | 1 MHz